Der Felchen
Felchen Coregonus sp.
Es wird zwischen zwei Felchenarten unterschieden:
| Sandfelchen |
|
| Albeli |
|
Fischereiliche
Bedeutung
Bis
vor wenigen Jahren wurden die einheimischen Felchenrassen als
"Brotfische" der Berufsfischer angesehen. Die Berufsfischer konnten
jährlich 60t Felchen fangen, der Fangertrag der Sportfischer
beschränkte sich auf einzelne, mit der Angel gefangene Felchen.
In den vergangenen Jahren hat sich die Einstellung der Sportfischer
geändert, und mit der Zulassung der Felchenhegene ist eine
intensivere Felchenfischerei auf allen Seen aufgekommen.
Von den Berufsfischern wird insbesondere das kleinwüchsige
Albeli geschätzt, weil diese Fischart im fangreifen Alter
von drei bis vier Jahren eine Grösse von ca. 30cm aufweist
und als Portionenfisch für Restaurants sehr begehrt ist.
Verbreitung
im Kanton Zürich
Im
Kanton Zürich sind im Zürichsee beide Felchenrasse ausgewiesen.
Im tiefen Seeteil und im Oberseegebiet kommen sowohl Sandfelchen
als auch Albeli vor. Ausgewiesene Laichplätze für Sandfelchen
befinden sich beim Seedamm in Rapperswil und auch auf den untiefen
Stellen (genannt "Böden") auf dem Stadtgebiet von Zürich.
Ausgewiesene Albelilaichplätze befinden sich im Zürichsee
um die Halbinsel Au und sind verbreitet zwischen Männedorf
und Herrliberg.
Im Greifensee waren im Verlaue der Kriegsjahre als Folge der stark
zunehmenden Eutrophierung die Felchen ausgestorben. Die gleiche
Beobachtung machte man im Pfäffikersee. Die Wiederansiedlung
von Felchen und Albeli in den beiden Oberlandseen erfolgte im
Rahmen eines Versuches im Jahr 1974. Anhand von punktuellen Messreihen
hat man damals darzustellen versucht, dass im ganzen See die Sauerstoffkonzentration
des Wassers max. 2mg/l betrage. Dies würde bedeuten, dass
ausgesetzte Felchen, welche mehr als 4mg/l Sauerstoff im Wasser
verlangen im Greifensee und Pfäffikersee nicht überleben
können. Der im Jahr 1974 angesetzte Versuch verlief jedoch
erfolgreich. Die Felchenbrütlinge überlebten. Damit
konnte nachgewiesen werden,dass die Ergebnisse von punktuellen
Messreihen nicht auf das ganze Ökosystem See ausgedehnt werden
dürfen. in der Folge wurden beide Oberlandseen regelmässig
mit Felchenbrütlingen besetzt, wobei man darauf achtete,
dass im Pfäffikersee nur Sandfelchen eingesetzt wurden. Im
Gegensatz dazu wurden bei den Besatzungsmassnahmen im Greifensee
verschiedene Rassen verwendet.
Bei der Bewirtschaftung der Felchen sind in den vergangenen Jahrzehnten
Fehler gemacht worden. Beim ausbleiben eines guten, ansprechenden
Laichfischfanges hatte man kurzerhand aus anderen Seen Felcheneier
zugekauft. Dabei kreuzte man (unbeabsichtigt) typische Fechenrassen
anderer Seen ein. Im Zürichsee erfolgte dies in den 70er
Jahren durch den Aussatz von Felcheneiern aus dem Sempachersee.
Die heranwachsenden Sempachersee-Ballen zeichneten sich während
Jahren durch ihre auffallend dunkelgrün gefärbte Rückenpartie
aus. Aus diesen Erkentnissen hat man Folgerungen gezogen. Seit
Jahren findet im Kanton Zürich keine Felchenaustauschaktion
mehr statt
Interessant sind auch die Diskussionen über die Abstammung
einzelner Felchenrassen. Es sind Abklärungen darüber
vorhanden, dass im Walensee, aber auch im Zürichsee verschiedene
Felchenrassen entstanden sind. Dieser wissenschaftlichen abklärung
steht die Beobachtung gegenüber, dass duch die Berufsfischer
von 1959-1960 jährlich Felchenwanderungen zwischen den beiden
Seen über den Linthkanal beobachtet werden konnten. Alte
Berufsfischer berichten, dass in den 50er Jahren die schwarmweise
Wanderung der Felchen im Linthkanal ob Grynau beobachtet werden
konnte. Diese Wanderung ist in jüngster Zeit stark rückläufig.
Es konnten nur noch Einzeltiere beobachtet werden.
Typische Merkmale der Felchenrassen: Sandfelchen und Albeli
Die
Sandfelchen können eine Gesamtlänge von bis zu
60cm erreichen. Im Alter von drei Jahren erreichen sie normalerweise
erstmals die Geschlechtsreife; sie weisen dabei in der Regel eine
Gesammtlänge von ca.30-32cm auf. Auffallend an ihrem äusseren
Erscheinungsbild ist das leicht unterständige Maul. Die Augen
sind relativ gross. Die grossen Schuppensind ebenfalls typisch.
Als Merkmal gilt auch die tief eingeschnittenen Schwanzflosse.
Die Färbungkann variieren, wobei eine grosse Grautönung
mit grünlicher oder bräunlicher Rückenfärbung
die Regel ist. Naturverlaichung von Sandfelchen sind im Zürichsee
insbesondere entlang dem Seedamm in Rapperswil wie aber auch auf
den untiefen Stellen im unteren Zürichseebecken "Böden"
nachgewiesen. Auch ist im Hüttnersee und Türlersee neuerdings
eine Naturverlaichung zu beobachten.
Das Albeli ist kleinwüchsig und erreicht beim erstmaligen
Eintritt der Geschlechtsreife eine Gesamtlänge von maximal
ca.27cm. Der Mund ist im Gegensatz zur Sandfelche endständig.
Die bräunliche Rückenfärbung ist ebenfalls typisch
für die einheimischen Albeli. Diese Felchenrasse bewohnt
während des ganzen Jahres das freie Wasser in der Seetiefe.
Nur zur Laichzeit sucht das geschlechtsreife Albeli den Seegrund
auf. In dieser Zeit können diese Fische mit grundnetzen gefangen
werden. Während des Jahres ist die Fangausübung mit
Bodennetzen unergiebig.
Interessant ist die Laichzeit der Albeli. In den 70er Jahren unterschied
man noch zwischen den sommer- und winterlaichenden Albeli. Bereits
im August konnte man in der Seetiefe von ca. 40m geschlechtsreife
Albeli fangen. Die Winter-Albeli kamen zur Fortpflanzung im Dezember.
Ohne Zweifel ist der jahreszeitlich relativ frühe Eintritt
der Geschlechtsreife eines Teils der Albelipopulation mit der
kalten Wassertemperatur in der Seetiefe verbunden. In den 60er
Jahren wia auch zu Beginn der 70er Jahre sind bekanntlich im Zürichsee
die Wassergüteverhältnisse in der Seetiefe prekär
gewesen - ein Fischleben am Seegrund war ganzjährig nicht
mehr möglich. Vermutlich ist dieses Laichverhalten während
des Sommers als Folge dieser einschneidenden Veränderung
verlorengegange. Interessant ist, dass heute, nach der Wiederherstellung
der ursprünglichen Lebensraumverhältnisse in der Seetiefe,
nur ein minimaler Anteil der Albelipopulation im Sommer wieder
geschlechtsreif wird.
Befischungsproblem der Felchen
Das
gleichzeitige Vorkommen der schnellwüchsigen Felchen zusammen
mit den kleinwüchsigen Albeli zwingt zur Sorgfalt bei der
Fangausübung. Dies vor allem desshalb, da die Freigabe des
Albeli, welches im Alter von drei Jahren in der Regel eine Gesamtlänge
von 27cm aufweist, die Gefahr in sich birgt, dass dabei ebenfalls
zu kleine Sandfelchen befischt werden. Diese erreichen die Geschlechtsreife
erst mit einer Körperlänge von 32cm. In langjährigen
Versuchen konnte man nun feststellen, dass Albeli und Sandfelchen
in der Regel während des Jahres unterschiedliche Lebensräume
im Zürichsee bewohnen. Das Albeli steht in einer Tiefe von
zehn Metern und mehr, wogegen die Sandfelchen sich eher oberhalb
dieser Tiefe aufhalten. Dies führte dazu, dass die für
Albeli bewilligten engmaschigeren Netze (30mm) nur in Tiefen von
zehn und mehr Metern ausgelegt werden dürfen.
Felchen an Specksauce