Der Felchen

Felchen Coregonus sp.

Es wird zwischen zwei Felchenarten unterschieden:

 
Sandfelchen
Lokalnamen:
Balle, Blalig, Felchen; Sandfelchen
Albeli
Lokalnamen:
Albeli, Schwebfelchen, Bruni

Allgemeine Bedeutung 
Im Kanton Zürich unterscheiden wir zwei Felchenrasen: die grosswüchsigen Sandfelchen und das kleinwüchsige Albeli. Die Unterscheidung der beiden im Zürichsee und in weiteren Kleinseen vorhandenen typischen -felchenrassen ist nicht einfach; deutliche Unterschiede bestehen nur in ihren Lebens- und Fortpflanzungsgewohnheiten. Vielfach wird in der Öffentlichkeit die systematische Einteilung der Felchen verkannt. Die Felchen sind Edelfische und somit nahe Verwandte der Forellen. Unverständlicherweise beurteilt man die Felchen häufig kulinarisch als mittelmässig und berücksichtigt nicht, dass diese Fische bezüglich ihrer Ansprüche an die Wassergüte weit über Hecht und Egli stehen.

Fischereiliche Bedeutung
Bis vor wenigen Jahren wurden die einheimischen Felchenrassen als "Brotfische" der Berufsfischer angesehen. Die Berufsfischer konnten jährlich 60t Felchen fangen, der Fangertrag der Sportfischer beschränkte sich auf einzelne, mit der Angel gefangene Felchen. In den vergangenen Jahren hat sich die Einstellung der Sportfischer geändert, und mit der Zulassung der Felchenhegene ist eine intensivere Felchenfischerei auf allen  Seen aufgekommen.
Von den Berufsfischern wird insbesondere das kleinwüchsige Albeli geschätzt, weil diese Fischart im fangreifen Alter von drei bis vier Jahren eine Grösse von ca. 30cm aufweist und als Portionenfisch für Restaurants sehr begehrt ist.

Verbreitung im Kanton Zürich
Im Kanton Zürich sind im Zürichsee beide Felchenrasse ausgewiesen. Im tiefen Seeteil und im Oberseegebiet kommen sowohl Sandfelchen als auch Albeli vor. Ausgewiesene Laichplätze für Sandfelchen befinden sich beim Seedamm in Rapperswil und auch auf den untiefen Stellen (genannt "Böden") auf dem Stadtgebiet von Zürich. Ausgewiesene Albelilaichplätze befinden sich im Zürichsee um die Halbinsel Au und sind verbreitet zwischen Männedorf und Herrliberg.
Im Greifensee waren im Verlaue der Kriegsjahre als Folge der stark zunehmenden Eutrophierung die Felchen ausgestorben. Die gleiche Beobachtung machte man im Pfäffikersee. Die Wiederansiedlung von Felchen und Albeli in den beiden Oberlandseen erfolgte im Rahmen eines Versuches im Jahr 1974. Anhand von punktuellen Messreihen hat man damals darzustellen versucht, dass im ganzen See die Sauerstoffkonzentration des Wassers max. 2mg/l betrage. Dies würde bedeuten, dass ausgesetzte Felchen, welche mehr als 4mg/l Sauerstoff im Wasser verlangen im Greifensee und Pfäffikersee nicht überleben können. Der im Jahr 1974 angesetzte Versuch verlief jedoch erfolgreich. Die Felchenbrütlinge überlebten. Damit konnte nachgewiesen werden,dass die Ergebnisse von punktuellen Messreihen nicht auf das ganze Ökosystem See ausgedehnt werden dürfen. in der Folge wurden beide Oberlandseen regelmässig mit Felchenbrütlingen besetzt, wobei man darauf achtete, dass im Pfäffikersee nur Sandfelchen eingesetzt wurden. Im Gegensatz dazu wurden bei den Besatzungsmassnahmen im Greifensee verschiedene Rassen verwendet.

Bei der Bewirtschaftung der Felchen sind in den vergangenen Jahrzehnten Fehler gemacht worden. Beim ausbleiben eines guten, ansprechenden Laichfischfanges hatte man kurzerhand aus anderen Seen Felcheneier zugekauft. Dabei kreuzte man (unbeabsichtigt) typische Fechenrassen anderer Seen ein. Im Zürichsee erfolgte dies in den 70er Jahren durch den Aussatz von Felcheneiern aus dem Sempachersee. Die heranwachsenden Sempachersee-Ballen zeichneten sich während Jahren durch ihre auffallend dunkelgrün gefärbte Rückenpartie aus. Aus diesen Erkentnissen hat man Folgerungen gezogen. Seit Jahren findet im Kanton Zürich keine Felchenaustauschaktion mehr statt

Interessant sind auch die Diskussionen über die Abstammung einzelner Felchenrassen. Es sind Abklärungen darüber vorhanden, dass im Walensee, aber auch im Zürichsee verschiedene Felchenrassen entstanden sind. Dieser wissenschaftlichen abklärung steht die Beobachtung gegenüber, dass duch die Berufsfischer von 1959-1960 jährlich Felchenwanderungen zwischen den beiden Seen über den Linthkanal beobachtet werden konnten. Alte Berufsfischer berichten, dass in den 50er Jahren die schwarmweise Wanderung der Felchen im Linthkanal ob Grynau beobachtet werden konnte. Diese Wanderung ist in jüngster Zeit stark rückläufig. Es konnten nur noch Einzeltiere beobachtet werden.

Typische Merkmale der Felchenrassen: Sandfelchen und Albeli 

Die Sandfelchen können eine Gesamtlänge von bis zu 60cm erreichen. Im Alter von drei Jahren erreichen sie normalerweise erstmals die Geschlechtsreife; sie weisen dabei in der Regel eine Gesammtlänge von ca.30-32cm auf. Auffallend an ihrem äusseren Erscheinungsbild ist das leicht unterständige Maul. Die Augen sind relativ gross. Die grossen Schuppensind ebenfalls typisch. Als Merkmal gilt auch die tief eingeschnittenen Schwanzflosse. Die Färbungkann variieren, wobei eine grosse Grautönung mit grünlicher oder bräunlicher Rückenfärbung die Regel ist. Naturverlaichung von Sandfelchen sind im Zürichsee insbesondere entlang dem Seedamm in Rapperswil wie aber auch auf den untiefen Stellen im unteren Zürichseebecken "Böden" nachgewiesen. Auch ist im Hüttnersee und Türlersee neuerdings eine Naturverlaichung zu beobachten.
Das Albeli ist kleinwüchsig und erreicht beim erstmaligen Eintritt der Geschlechtsreife eine Gesamtlänge von maximal ca.27cm. Der Mund ist im Gegensatz zur Sandfelche endständig. Die bräunliche Rückenfärbung ist ebenfalls typisch für die einheimischen Albeli. Diese Felchenrasse bewohnt während des ganzen Jahres das freie Wasser in der Seetiefe. Nur zur Laichzeit sucht das geschlechtsreife Albeli den Seegrund auf. In dieser Zeit können diese Fische mit grundnetzen gefangen werden. Während des Jahres ist die Fangausübung mit Bodennetzen unergiebig.

Interessant ist die Laichzeit der Albeli. In den 70er Jahren unterschied man noch zwischen den sommer- und winterlaichenden Albeli. Bereits im August konnte man in der Seetiefe von ca. 40m geschlechtsreife Albeli fangen. Die Winter-Albeli kamen zur Fortpflanzung im Dezember. Ohne Zweifel ist der jahreszeitlich relativ frühe Eintritt der Geschlechtsreife eines Teils der Albelipopulation mit der kalten Wassertemperatur in der Seetiefe verbunden. In den 60er Jahren wia auch zu Beginn der 70er Jahre sind bekanntlich im Zürichsee die Wassergüteverhältnisse in der Seetiefe prekär gewesen - ein Fischleben am Seegrund war ganzjährig nicht mehr möglich. Vermutlich ist dieses Laichverhalten während des Sommers als Folge dieser einschneidenden Veränderung verlorengegange. Interessant ist, dass heute, nach der Wiederherstellung der ursprünglichen Lebensraumverhältnisse in der Seetiefe, nur ein minimaler Anteil der Albelipopulation im Sommer wieder geschlechtsreif wird.

Befischungsproblem der Felchen 

Das gleichzeitige Vorkommen der schnellwüchsigen Felchen zusammen mit den kleinwüchsigen Albeli zwingt zur Sorgfalt bei der Fangausübung. Dies vor allem desshalb, da die Freigabe des Albeli, welches im Alter von drei Jahren in der Regel eine Gesamtlänge von 27cm aufweist, die Gefahr in sich birgt, dass dabei ebenfalls zu kleine Sandfelchen befischt werden. Diese erreichen die Geschlechtsreife erst mit einer Körperlänge von 32cm. In langjährigen Versuchen konnte man nun feststellen, dass Albeli und Sandfelchen in der Regel während des Jahres unterschiedliche Lebensräume im Zürichsee bewohnen. Das Albeli steht in einer Tiefe von zehn Metern und mehr, wogegen die Sandfelchen sich eher oberhalb dieser Tiefe aufhalten. Dies führte dazu, dass die für Albeli bewilligten engmaschigeren Netze (30mm) nur in Tiefen von zehn und mehr Metern ausgelegt werden dürfen.

 

Felchen an Specksauce
Felchen auf Gemüsebett
Felchen auf Gemüsebett
Felchen an Rieslingsauce
Felchen an Selleriesauce
Felchen mit Zuchetti
Felchen mit Melonen und Wildreis
Felchen/Maraene